Waiblingen entdecken!

Geschichte und Geschichten entdecken auf Ihrer Führung durch Vergangenheit und Gegenwart der „jungen Stadt in alten Mauern“.

Stadtrundgänge mit und für Einzelpersonen, Familien und Gruppen. Informativ, unterhaltsam und auf Wunsch auch gerne zu speziellen Themen auf Ihre individuellen Interessen zugeschnitten.
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Euer Wolfgang Wiedenhöfer

Zwölf wilde Nächte Vol. 11

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Ende und Anfang

In der Nacht des 5. Januar, dem zwölften Tag nach dem 24. Dezember, enden die Raunächte. Lange Zeit galt diese Nacht als das eigentliche Ende des alten Jahres. Vorbei sind die gefährlichen Zwölften, der Wilden Jagd geht die Luft aus, das Muetesheer bäumt sich ein letztes Mal auf bevor es davonzieht und, so Gott will, erst in den nächsten Raunächten zurückkehrt. Langsam und zaghaft, aber doch unaufhaltsam formiert sich die Natur zum Aufbruch ins Frühjahr.

In dieser Nacht traten häufig besonders gefährliche Geister auf. So wird berichtet, dass an der Straße nach Weilheim in dieser Nacht des öfteren ein Kampf von bösen Geistern sich zutrug. Mit Lichtern haben die Geister aufeinander eingeschlagen. „Du bist schuldig, du hast verlangt!“ hat der eine gerufen. Der andere sang „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ Wer in dieser Nacht auf dieser Straße ging und ein Licht bei sich trug, dem wurde das Licht ausgelöscht. Erst wenn man die gefährliche Stelle weit hinter sich gelassen hatte ging das Licht von ganz alleine wieder an.

Im Oberland, das früher auch ‚Schwäbisch Österreich‘ genannt wurde, verbreiten an diesem Abend die ‚Perchten‘, grausig verkleidete und maskierte junge unverheiratete Männer, Angst und Schrecken. Lärmend zogen sie durch die Gegend um die Natur aufzuwecken, damit sich die Saat rechtzeitig auf das Frühjahr vorbereiten konnte. Wem sie ins Haus kamen, der musste die übellaunigen Gestalten mit reichlich Schnaps gnädig stimmen. Den Perchtenläufen setzte das Christentum bereits im Mittelalter die Dreikönigsaufzüge entgegen, in neuerer Zeit kam das Dreikönigssingen hinzu.

Eine in dieser Nacht geräucherte Kopfbedeckung hilft gegen Kopfweh.

Der alte Brauch des ‚Stärk’ antrinken‘ findet zu Beginn des neuen Jahres, oft am Vorabend des 6. Januar statt. Niemand weiß, was das neue Jahr bringen mag, deshalb gilt es, sich gegen alle möglichen Widrigkeiten zu wappnen. Dazu trinkt man sich im Kreise von Familie oder Freunden Kraft und Gesundheit – die ‚Stärk‘ – an. Gefeiert wird mancherorts zu Hause, mancherorts in Gaststätten. Viele Brauereien unterstützen den Brauch mit einem speziellen Starkbier, das für das ‚Stärk’ antrinken‘ besonders geeignet sein soll.

Einmal soll eine alte Frau mit einem ihrer Enkelkinder über einen einsamen Weg zum Markt gelaufen sein. Als sie auf dem Rückweg durch einen Wald gingen, da kamen zwei unheimliche Gesellen hinter ihnen drein. Die Großmutter und das Kind ängstigten sich und deswegen wollten sie die beiden Männer an sich vorbeiziehen und vorausgehen lassen. Sie setzten sich auf einen Stein am Wegesrand und warteten. Aber die beiden Gestalten wichen nicht. Plötzlich hörten sie eine wunderbare Musik in der Luft und das Muetesheer zog über sie hinweg. Als die beiden Burschen das hörten, liefen sie voll Angst den Berg hinunter, zurück in die Stadt. Die Großmutter und ihr Kind gingen dankbar und erleichterten Herzens nach Hause und kamen dort glücklich an.

Der Dreikönigswind ist der segensreichste, ihm werden um Mitternacht Türen und Fenster geöffnet damit er Glück ins Haus bringe.

Hier endet unser Bericht über die zwölf wilden Nächte. Morgen, am Dreikönigstag, dem ‚Öbersten‘ wie er gemeinhin genannt wurde, endet in den protestantischen Landesteilen Südwestdeutschlands die geheimnisvolle, legendenumwobene und mystische Zeit des Jahreswechsels. Es beginnen die ausgelassenen Fasnetstage – aber das ist eine andere Geschichte …

Beitragsbild: Gisela Pfohl, aus ‘Geister, Trolle, Totenköpfe’, Verlag Iris Förster

Zwölf wilde Nächte Vol. 10

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Neujahr

Am Neujahrsmorgen gab’s das ‚Ansingen‘. Kinder und bedürftige arme Leute wurden beim Pfarrer, Schultheiß oder Lehrer vorstellig und baten um Geschenke. Sie zogen am ‚Betteltag‘, wie der Neujahrstag auch genannt wurde, von Haus zu Haus, sangen, ‚klopften‘ oder wünschten das neue Jahr an und erwarben sich dadurch ein kleines Zubrot.

I ben a kloiner Ma‘,
i wünsch, was ich ka‘,
viel Glück, viel Heil, viel Sega,
mag Euch dr Höchste geba.
Prosit! Zom neua Johr

Heut ist der erste Januar,
ein Wünschlein möcht‘ ich bringen dar:
Gott woll‘ uns miteinander geben,
ein fröhlich und gedeihlich Leben.
Ein Leben voll Zufriedenheit,
ein Leben zu andrer Nutz und Freud!
Zur Arbeit geb‘ er das Gelingen,
zu Unrecht mutiges Bezwingen,
getrostes Herz und frischen Blick
und, wie Gott will, so viel an Glück!
(Amlishagen)

Verbreitet war auch das morgendliche ‚Neujahrsschießen‘, bei dem insbesondere die jungen Burschen ihren Schatz beeindrucken wollten. So rief man zuerst einen Neujahrsgruß zum Fenster hinauf, und kam dann von oben eine zarte Antwort, dann knallte der Schuss. Wenn das Mädchen dem Burschen besonders hold war, dann durfte der anschließend sogar auf eine Brezel, einen Most oder ein Glas ‚Schusswein‘ ins Haus kommen.

Wem am Neujahrsmorgen ein altes Weib zuerst durch die Türe kommt, dem gehen die Geschäfte im ganzen Jahr schlecht, geht aber eine hübsche junge Frau zuerst hindurch, so wird’s ein erfolgreiches Jahr.

Wie Neujahr so das ganze Jahr. Schlägt man sich an Neujahr den Kopf an und bekommt eine Beule, dann bringt das Unglück für das ganze Jahr. Wer früh aufsteht, ist das ganze Jahr früh dran, wer lang schläft, verschläft den Rest des Jahres. 

Klopft man am Neujahrsmorgen an den Hühnerstall und antwortet der Hahn, so bekommt die Jungfer übers Jahr einen Mann. Antwortet die Henne, so bleibt sie ledig …

 

Beitragsbild: Gisela Pfohl, aus ‘Geister, Trolle, Totenköpfe’, Verlag Iris Förster

 

Zwölf wilde Nächte Vol. 9

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Altjahrsabend

Der letzte Abend des scheidenden Jahres, auch ‚Altjahrsabend‘ genannt, wird erst mit der Gregorianischen Kalenderreform im Jahre 1582 auf den 31. Dezember festgelegt. Davor wurde der Jahreswechsel teils am 24. Dezember, teils am 6. Januar, oder, nach Römischer Tradition, teils auch am 1. März gefeiert. Traditionelle Feuer- und Lärmfeste zu diesem Anlass haben allerdings noch viel ältere, germanische, Wurzeln. Der Namenspatron des Tages, Papst Silvester I., der die erste christliche Kirche über dem Petrusgrab in Rom erbauen ließ und am 31. Dezember des Jahres 335 starb, galt lange als Begründer des katholischen Kirchenstaates auf Grundlage der ‚Konstantinischen Schenkung‘. Mittlerweile wurde dieses Dokument zwar als dreiste mittelalterliche Fälschung entlarft, das tat dem Ansehen Silvesters allerdings keinen Abbruch, wird doch im Angedenken an seinen Tod bis heute die Nacht des 31. Dezembers gemeinhin als ‚Silvesternacht‘ bezeichnet.

Besonders bös treiben es die Gestalten der Wilden Jagd, des Wodansheeres, am Altjahrsabend. Wer sie trifft muss sich flach auf den Boden werfen und darf die Gestalten keinesfalls durch Anrufen reizen. Dann tun sie einem nichts.

Auf der Schwäbischen Alb ist es einem Mann, der meinte besonders mutig sein zu müssen, einmal böse ergangen. Er warf sich nicht zu Boden und wurde vom Wodansheer mitgeführt. Er kam in einen großen, herrlichen Saal mit Musik und vielen Leuten. Er erhielt dort ein Flötlein, ganz aus Silber getrieben, und konnte dieses ohne weiteres spielen. Das Fest dauerte lange. Mit dem Läuten der Morgenglocke verschwand aber alles. Der Mann erwachte mitten in der Nacht in einem feuchten Moos, und als er nach dem silbernen Flötlein schaute, da fand er einen Katzenschwanz in seiner Hand. Erst nach langer Wanderung fand er wieder nach Hause. 

Um böse Geister zu vertreiben und das Brunnenwasser übers Jahr sauber und gesund zu halten, wurden früher am Altjahrsabend über Brunnen Böllerschüsse abgefeuert. Aus dem gleichen Grund schoss man auch in Obstbäume und feuerte gleich noch einen Schuss an jeder Hausecke ab. Das Schießen weckte die Saaten und vertrieb böse Geister. 

Wer in der Neujahrsnacht gelbe Rüben isst, dem geht das Geld im neuen Jahr nicht aus. Wer aber Erbsen oder andere Hülsenfrüchte isst, der bekommt Ungeziefer.

Zu Silvester haben die toten Seelen Erlaubnis, zur Erde zu kommen. Deswegen sollst Du zum Jahreswechsel keine Frösche oder Kröten töten, denn es könnte Deine Urgroßmutter sein.

Wer am Silvesterabend einen Schatten ohne Kopf sieht, der stirbt im kommenden Jahr.

Wer Silvester nackend auf den Friedhof geht und Moos von hölzernen Kreuzen sammelt, der wird von der Gicht geheilt.

Schläft das Ehepaar in der Neujahrsnacht auf einem Fell, unter dem die verkohlten Knochen eines Hahnes verstreut wurden, so ist ein Sohn die Folge. Sind’s die verkohlten Knochen einer Henne, so wird’s ein Mädchen …

 
Beitragsbild: Gisela Pfohl, aus ‘Geister, Trolle, Totenköpfe’, Verlag Iris Förster

Zwölf wilde Nächte Vol. 8

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Pfeffertag

Am 28. Dezember, dem ersten Arbeitstag nach den drei Weihnachtstagen, kehrte für die Erwachsenen wieder der normale Alltag zurück. Es begannen die traditionellen Nachweihnachtsbräuche. Die Kinder zogen abends singend durch die Straßen und gingen von Haus zu Haus. Sie schlugen (‚pfefferten‘) mit einem Zweiglein, der sogenannten ‚Pfefferrute‘ oder ‚Beerlesgert‘ gegen die Fenster. Das sollte dem Haus und den Bewohnern Glück bringen. Dazu sagten sie einen Bettelvers auf. Als Belohnung bekamen sie eine Scheibe Hutzelbrot, ein Springerle, etwas Lebkuchen oder auch Apfel- und Birnenschnitz. Deswegen hieß der Tag auch ‚Pfeffertag‘ oder ‚Kindleinstag‘. Bis ins Mittelalter hielt sich mancherorts der klösterliche Brauch, dass am 28. Dezember, dem ‚Tag der unschuldigen Kinder‘, der jüngste Klosterschüler auf dem ehrenvollen Stuhl des Abtes Platz nehmen durfte.

Pfeffer, Nuss und Küchle raus,
oder I lass den Marder ins Hühnerhaus
(Spaichingen)

Deutlich derber ist da der Brauch, dass ledige Burschen bei Mädchen auf deren Allerwertesten oder vielleicht auch auf ein anderes Körperteil einen Klaps gaben, also ihnen ‚eine pfefferten‘. Böse waren ihnen die Jungfern darob nicht, im Gegenzug gab’s Speck oder auch einen Schnaps.

Habens die unschuldigen Kindlein kalt, so weicht der Frost noch nicht so bald.

 

Beitragsbild: Gisela Pfohl, aus ‘Geister, Trolle, Totenköpfe’, Verlag Iris Förster

 

Zwölf wilde Nächte Vol. 7

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Winterjohannis

Der 27. Dezember wurde früher als ‚Dritter Weihnachtstag‘ bezeichnet. Nach antiker Zeitrechnung fiel die Wintersonnwende auf die Nacht vom 25. auf den 26. Dezember, weshalb, in Anlehnung  an den Spruch im Johannesevangelium „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“ (Joh 3,30) dieser Tag Johannes dem Apostel und Evangelisten geweiht war. Bis heute hält sich insbesondere in katholischen Landesteilen der Brauch des Johannissegens. In den Gottesdiensten wird Wein geweiht und den Gläubigen gereicht, in Angedenken an die Sage, dass Johannes mittels eines Bechers vergifteten Weins ermordet werden sollte, den Trunk aber durch ein Kreuzzeichen auf dem Becher zur Verwunderung aller Ungläubigen unschädlich gemacht hatte. Der gesegnete Johanniswein wurde früher zu Hause in den weihnachtlich geschmückten Wohnstuben getrunken, Gäste wurden mit diesem besonderen Wein bewirtet, und auch das Vieh bekam einige Tropfen ab. Sogar Brunnen wurde in manchen Orten mit etwas Johanniswein gegen Ungeziefer geschützt. Was übrig blieb wurde für besondere Fälle, wie Krankheit oder auch Familienfeste, für das kommende Jahr zur Seite gestellt.

Hat der Evangelist Johannes Eis, dann macht es auch der Täufer heiß.

In den Weihnachtstagen sollen bei Gutenberg auf der Alb, bei einem abgelegenen Hinterweiler an der Weißen Lauter, häufig Irrlichter zu sehen sein. Wanderer, die um Mitternacht dort vorbeikommen, werden von diesen Irrlichtern auf falsche Pfade geführt.

In der Adventszeit berichtete man früher am Hohenstaufen von einem besonderen Spuk. Am Abend, wenn die Betglocken der Kirchen läuteten, tauchten geheimnisvolle Lichter auf, ‚Scheinelichter‘ hat man sie genannt. Um Hohenrechberg und auch bei Staufeneck hat man sie des öfteren in den Weihnachtstagen gesehen. Unweit von Wäschenbeuren liegt eine Felsgruppe, die Spielburg genannt. Dort traten die Lichter besonders häufig auf, weshalb man den Ort auch ‚Tanzplatz‘ nannte. Einen auffälligen Ring aus fettem Gras konnte man dort erkennen. Das war der Kreis, in dem die Geister tanzten. Freundlich sollen sie gewesen sein, diese Geister, und niemand haben sie etwas zuleide getan. Seitdem dort aber ein Steinbruch angelegt wurde, hat man die Geister nie mehr gesehen.

 

Raunächte – Geschichten zwischen den Jahren
Stadtführung zu Mythen, Geschichten und Aberglaube in den ‘Zwölften’
Sonntag 27.12.2015 15:30 Uhr
Tickets über die TouristInfo Waiblingen – ausverkauft – 

Beitragsbild: Gisela Pfohl, aus ‘Geister, Trolle, Totenköpfe’, Verlag Iris Förster

 

Zwölf wilde Nächte Vol. 6

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Der Stephanstag

Der 2. Weihnachtstag am 26. Dezember ist der Festtag des Heiligen Stephanus, der um das Jahr 40 wegen seines Glaubens eines gewaltsamen Todes starb und so zum ersten Märtyrer des Christentums überhaupt wurde. Es wurde gesungen, getanzt und gezecht. Bäuerliche Feste wie Sichel- und Schlegelhengetse wurden gefeiert.

Es war traditionell der Tag der jungen Männer. Die ledigen Burschen ritten in die umliegenden Dörfer. Oftmals mussten bestimmte Entfernungen zurückgelegt werden, es ging über drei oder mehr Markungsgrenzen. Hatten die ‚Stefansreiter‘ das geschafft, so wurden sie in den Gasthäusern mit einem Festmahl empfangen. Und wenn man dann als junger Mann eh‘ schon in der Nachbarschaft unterwegs war, dann nutzte man das gleich zum Anbandeln. Man brachte einen Kuchen oder auch eine Brezel bei der Herzallerliebsten vorbei. Als Belohnung durfte man dann, in der prüden, konservativen Zeit eine Besonderheit, am Stephanstag zusammen ins Wirtshaus gehen. Unter strenger Beobachtung der Erwachsenen natürlich. Und wem das Geld für die Brezel fehlte, der malte einfach eine mit Kreide ans Scheunentor, als Einladung zum Wirtshausgang reichte das allemal.

Weil Stephanus unter anderem auch der Schutzheilige der Pferde ist, wurde denen an diesem Tag besondere Aufmerksamkeit zuteil und sie wurden in seinem Namen gesegnet. Am Stephanstag wechselten die Pferdeknechte ihren Arbeitgeber. Es ist der einzige Tag in den Zwölften, an dem man die Pferde gefahrlos striegeln konnte. An den anderen Tagen, so glaubte man, striegelte man Läuse in sie hinein.

Am Stephanstag werden in Backnang die Pferde ausgeritten und zwar so schnell als möglich. So kann man sie vor Hexen bewahren.

Am Stephanstag geerntete Hagenbutten helfen besonders gut gegen Seitenstechen und Magenbeschwerden.

Weht am Stephanstag ein starker Wind, so wirft man einige Handvoll Mehl in den Sturm und bittet, dass einem im kommenden Jahr kein Unwetter die Ernte verhagelt.

Kinder zogen singend von Haus zu Haus und baten um Geschenke, auch steckten sie für die Pferde des Woden etwas Hafer in ihre Schuhe und stellten diese vor die Türe – beide Bräuche sind später auf den 6. Januar übergegangen.

Ein Bauer in Waiblingen hörte einmal von der Geschichte, dass in der Christnacht die Tiere zueinander mit menschlicher Stimme sprechen könnten. Da ging er am Heiligen Abend nicht in den Gottesdienst, sondern schlich sich in den Stall. Als die Glocke der Nikolauskirche zwölf Uhr schlug, da hörte er die Pferde miteinander reden: „Du musst unseren Bauern am Stephanstag fahren, denn du bist das stärkere.“ „Nein,“ sprach das andere Pferd, „das musst du machen, denn Du bist das größere von uns beiden.“ Sie stritten und wurden längere Zeit nicht einig. Endlich sagten sie zueinander: „Jedes soll recht haben, wir werden ihn gemeinsam fahren.“ Dann wurde es still im Stall. Und was meint Ihr, was am nächsten Tag geschah? Der Bauer starb und seine beiden Pferde zogen das Fuhrwerk mit seinem Sarg am Stephanstag zusammen zum Friedhof…

 

Raunächte – Geschichten zwischen den Jahren
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Sonntag 27.12.2015 15:30 Uhr
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Beitragsbild: Gisela Pfohl, aus ‚Geister, Trolle, Totenköpfe‘, Verlag Iris Förster