Waiblingen entdecken!

Geschichte und Geschichten entdecken auf Ihrer Führung durch Vergangenheit und Gegenwart der „jungen Stadt in alten Mauern“.

Stadtrundgänge mit und für Einzelpersonen, Familien und Gruppen. Informativ, unterhaltsam und auf Wunsch auch gerne zu speziellen Themen auf Ihre individuellen Interessen zugeschnitten.
Anfragen unter Tel. 0176-16000616 oder Mail: info@waiblingen-entdecken.de

Ich freue mich auf rege Kommunikation, Feedback, Anregungen …

Viel Spaß beim Bloggen!

Euer Wolfgang Wiedenhöfer

Sankt Urban sei’s gedankt

Von einem kurzen aber kräftigen Gewitterguss gleich zu Beginn ließen sich die Teilnehmer der 12. Waiblinger Wein(ver)führung am Samstag nicht unterkriegen. Schließlich ist der heilige Urban, einer der Patrone der Waiblinger Michaelskirche, nicht nur für den Weinbau zuständig, sondern auch für Blitz und Donner. Süffige Weine der Weingüter Escher/Schwaikheim, Häußermann/Neustadt, Maier/Schwaikheim und der Remstalkellerei, leckere, teils ofenwarme, Backspezialitäten der Bäckerei Kauffmann, Historie und Histörchen zur Waiblinger Weinbaugeschichte von Wolfgang Wiedenhöfer sowie die fachkundige Moderation von Gunter Metzler waren die Zutaten für ein extrem kurzweiliges Stadtführungsevent.

Zum Schluss wollte die Gruppe gar nicht mehr vom Hochwachturm runter, der herrlichen Aussicht am lauen Frühsommerabend und der weinseligen Stimmung geschuldet.

Wir freuen uns jedenfalls schon auf die Neuauflage bei der
13. Waiblinger Wein(ver)führung am Samstag, 23. September.

Kartenvorverkauf: Touristinformation Waiblingen
Scheuerngasse 4, 71336 Waiblingen
Tel. (07151) 5001-8321
Mail: touristinfo@waiblingen.de

12. Waiblinger Wein(ver)führung am Samstag, 3. Juni 2017

Am Pfingstsamstag 3. Juni 2017 laden Gunter Metzler und Wolfgang Wiedenhöfer zum 12. Mal zur Waiblinger Wein(ver)führung ein:

Mit einem guten Tröpfle in der Hand …

„ … in manchen Gegenden Deutschlands besteht zur Zeit der Weinlese die Freiheit, dass Burschen und Mägde nach dem Essen untereinander spielen und huren, indem die Burschen den Mägden die Brüste bloßlegen und küssen … “ ganz so derb wie in dieser Beschreibung über die Sitten hierzulande im 16. Jahrhundert wird’s wohl bei der 12. Waiblinger Wein(ver)führung nicht zugehen, aber die Stimmung bei diesem Stadtrundgang wird hoffentlich auch heute wieder genauso ausgelassen wie bei den letzten malen. Gunter Metzler und ich gehen auf weinseligen Spuren durch Waiblingens Altstadtgassen, bei einer 8er-Weinprobe und verführerischen Leckereien vom Bäcker Kaufmann und Metzger Kaiser werden Geschichte und Geschichten rund um den Weinbau lebendig.

Samstag, 3. Juni 2017, Beginn 17:00 Uhr
Kosten 27 € incl. 8er-Weinprobe und kleinen regionalen Köstlichkeiten.
Karten gibt es bei der Touristinformation Waiblingen,
Scheuerngasse 4, 71336 Waiblingen
Tel. (07151) 5001-8321
Mail: touristinfo@waiblingen.de

Pressestimmen: Weinverfuehrung (WKZ)

Zwölf wilde Nächte Vol. 11

Ende und Anfang

In der Nacht des 5. Januar, dem zwölften Tag nach dem 24. Dezember, enden die Raunächte. Lange Zeit galt diese Nacht als das eigentliche Ende des alten Jahres. Vorbei sind die gefährlichen Zwölften, der Wilden Jagd geht die Luft aus, das Muetesheer bäumt sich ein letztes Mal auf bevor es davonzieht und, so Gott will, erst in den nächsten Raunächten zurückkehrt. Langsam und zaghaft, aber doch unaufhaltsam formiert sich die Natur zum Aufbruch ins Frühjahr.

In dieser Nacht traten häufig besonders gefährliche Geister auf. So wird berichtet, dass an der Straße nach Weilheim in dieser Nacht des öfteren ein Kampf von bösen Geistern sich zutrug. Mit Lichtern haben die Geister aufeinander eingeschlagen. „Du bist schuldig, du hast verlangt!“ hat der eine gerufen. Der andere sang „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ Wer in dieser Nacht auf dieser Straße ging und ein Licht bei sich trug, dem wurde das Licht ausgelöscht. Erst wenn man die gefährliche Stelle weit hinter sich gelassen hatte ging das Licht von ganz alleine wieder an.

Im Oberland, das früher auch ‚Schwäbisch Österreich‘ genannt wurde, verbreiten an diesem Abend die ‚Perchten‘, grausig verkleidete und maskierte junge unverheiratete Männer, Angst und Schrecken. Lärmend zogen sie durch die Gegend um die Natur aufzuwecken, damit sich die Saat rechtzeitig auf das Frühjahr vorbereiten konnte. Wem sie ins Haus kamen, der musste die übellaunigen Gestalten mit reichlich Schnaps gnädig stimmen. Den Perchtenläufen setzte das Christentum bereits im Mittelalter die Dreikönigsaufzüge entgegen, in neuerer Zeit kam das Dreikönigssingen hinzu.

Eine in dieser Nacht geräucherte Kopfbedeckung hilft gegen Kopfweh.

Der alte Brauch des ‚Stärk’ antrinken‘ findet zu Beginn des neuen Jahres, oft am Vorabend des 6. Januar statt. Niemand weiß, was das neue Jahr bringen mag, deshalb gilt es, sich gegen alle möglichen Widrigkeiten zu wappnen. Dazu trinkt man sich im Kreise von Familie oder Freunden Kraft und Gesundheit – die ‚Stärk‘ – an. Gefeiert wird mancherorts zu Hause, mancherorts in Gaststätten. Viele Brauereien unterstützen den Brauch mit einem speziellen Starkbier, das für das ‚Stärk’ antrinken‘ besonders geeignet sein soll.

Einmal soll eine alte Frau mit einem ihrer Enkelkinder über einen einsamen Weg zum Markt gelaufen sein. Als sie auf dem Rückweg durch einen Wald gingen, da kamen zwei unheimliche Gesellen hinter ihnen drein. Die Großmutter und das Kind ängstigten sich und deswegen wollten sie die beiden Männer an sich vorbeiziehen und vorausgehen lassen. Sie setzten sich auf einen Stein am Wegesrand und warteten. Aber die beiden Gestalten wichen nicht. Plötzlich hörten sie eine wunderbare Musik in der Luft und das Muetesheer zog über sie hinweg. Als die beiden Burschen das hörten, liefen sie voll Angst den Berg hinunter, zurück in die Stadt. Die Großmutter und ihr Kind gingen dankbar und erleichterten Herzens nach Hause und kamen dort glücklich an.

Der Dreikönigswind ist der segensreichste, ihm werden um Mitternacht Türen und Fenster geöffnet damit er Glück ins Haus bringe.

Hier endet unser Bericht über die zwölf wilden Nächte. Morgen, am Dreikönigstag, dem ‚Öbersten‘ wie er gemeinhin genannt wurde, endet in den protestantischen Landesteilen Südwestdeutschlands die geheimnisvolle, legendenumwobene und mystische Zeit des Jahreswechsels. Es beginnen die ausgelassenen Fasnetstage – aber das ist eine andere Geschichte …

Beitragsbild: Gisela Pfohl, aus ‘Geister, Trolle, Totenköpfe’, Verlag Iris Förster

Zwölf wilde Nächte Vol. 10

Neujahr

Am Neujahrsmorgen gab’s das ‚Ansingen‘. Kinder und bedürftige arme Leute wurden beim Pfarrer, Schultheiß oder Lehrer vorstellig und baten um Geschenke. Sie zogen am ‚Betteltag‘, wie der Neujahrstag auch genannt wurde, von Haus zu Haus, sangen, ‚klopften‘ oder wünschten das neue Jahr an und erwarben sich dadurch ein kleines Zubrot.

I ben a kloiner Ma‘,
i wünsch, was ich ka‘,
viel Glück, viel Heil, viel Sega,
mag Euch dr Höchste geba.
Prosit! Zom neua Johr

Heut ist der erste Januar,
ein Wünschlein möcht‘ ich bringen dar:
Gott woll‘ uns miteinander geben,
ein fröhlich und gedeihlich Leben.
Ein Leben voll Zufriedenheit,
ein Leben zu andrer Nutz und Freud!
Zur Arbeit geb‘ er das Gelingen,
zu Unrecht mutiges Bezwingen,
getrostes Herz und frischen Blick
und, wie Gott will, so viel an Glück!
(Amlishagen)

Verbreitet war auch das morgendliche ‚Neujahrsschießen‘, bei dem insbesondere die jungen Burschen ihren Schatz beeindrucken wollten. So rief man zuerst einen Neujahrsgruß zum Fenster hinauf, und kam dann von oben eine zarte Antwort, dann knallte der Schuss. Wenn das Mädchen dem Burschen besonders hold war, dann durfte der anschließend sogar auf eine Brezel, einen Most oder ein Glas ‚Schusswein‘ ins Haus kommen.

Wem am Neujahrsmorgen ein altes Weib zuerst durch die Türe kommt, dem gehen die Geschäfte im ganzen Jahr schlecht, geht aber eine hübsche junge Frau zuerst hindurch, so wird’s ein erfolgreiches Jahr.

Wie Neujahr so das ganze Jahr. Schlägt man sich an Neujahr den Kopf an und bekommt eine Beule, dann bringt das Unglück für das ganze Jahr. Wer früh aufsteht, ist das ganze Jahr früh dran, wer lang schläft, verschläft den Rest des Jahres. 

Klopft man am Neujahrsmorgen an den Hühnerstall und antwortet der Hahn, so bekommt die Jungfer übers Jahr einen Mann. Antwortet die Henne, so bleibt sie ledig …

 

Beitragsbild: Gisela Pfohl, aus ‘Geister, Trolle, Totenköpfe’, Verlag Iris Förster

 

Zwölf wilde Nächte Vol. 9

Altjahrsabend

Der letzte Abend des scheidenden Jahres, auch ‚Altjahrsabend‘ genannt, wird erst mit der Gregorianischen Kalenderreform im Jahre 1582 auf den 31. Dezember festgelegt. Davor wurde der Jahreswechsel teils am 24. Dezember, teils am 6. Januar, oder, nach Römischer Tradition, teils auch am 1. März gefeiert. Traditionelle Feuer- und Lärmfeste zu diesem Anlass haben allerdings noch viel ältere, germanische, Wurzeln. Der Namenspatron des Tages, Papst Silvester I., der die erste christliche Kirche über dem Petrusgrab in Rom erbauen ließ und am 31. Dezember des Jahres 335 starb, galt lange als Begründer des katholischen Kirchenstaates auf Grundlage der ‚Konstantinischen Schenkung‘. Mittlerweile wurde dieses Dokument zwar als dreiste mittelalterliche Fälschung entlarft, das tat dem Ansehen Silvesters allerdings keinen Abbruch, wird doch im Angedenken an seinen Tod bis heute die Nacht des 31. Dezembers gemeinhin als ‚Silvesternacht‘ bezeichnet.

Besonders bös treiben es die Gestalten der Wilden Jagd, des Wodansheeres, am Altjahrsabend. Wer sie trifft muss sich flach auf den Boden werfen und darf die Gestalten keinesfalls durch Anrufen reizen. Dann tun sie einem nichts.

Auf der Schwäbischen Alb ist es einem Mann, der meinte besonders mutig sein zu müssen, einmal böse ergangen. Er warf sich nicht zu Boden und wurde vom Wodansheer mitgeführt. Er kam in einen großen, herrlichen Saal mit Musik und vielen Leuten. Er erhielt dort ein Flötlein, ganz aus Silber getrieben, und konnte dieses ohne weiteres spielen. Das Fest dauerte lange. Mit dem Läuten der Morgenglocke verschwand aber alles. Der Mann erwachte mitten in der Nacht in einem feuchten Moos, und als er nach dem silbernen Flötlein schaute, da fand er einen Katzenschwanz in seiner Hand. Erst nach langer Wanderung fand er wieder nach Hause. 

Um böse Geister zu vertreiben und das Brunnenwasser übers Jahr sauber und gesund zu halten, wurden früher am Altjahrsabend über Brunnen Böllerschüsse abgefeuert. Aus dem gleichen Grund schoss man auch in Obstbäume und feuerte gleich noch einen Schuss an jeder Hausecke ab. Das Schießen weckte die Saaten und vertrieb böse Geister. 

Wer in der Neujahrsnacht gelbe Rüben isst, dem geht das Geld im neuen Jahr nicht aus. Wer aber Erbsen oder andere Hülsenfrüchte isst, der bekommt Ungeziefer.

Zu Silvester haben die toten Seelen Erlaubnis, zur Erde zu kommen. Deswegen sollst Du zum Jahreswechsel keine Frösche oder Kröten töten, denn es könnte Deine Urgroßmutter sein.

Wer am Silvesterabend einen Schatten ohne Kopf sieht, der stirbt im kommenden Jahr.

Wer Silvester nackend auf den Friedhof geht und Moos von hölzernen Kreuzen sammelt, der wird von der Gicht geheilt.

Schläft das Ehepaar in der Neujahrsnacht auf einem Fell, unter dem die verkohlten Knochen eines Hahnes verstreut wurden, so ist ein Sohn die Folge. Sind’s die verkohlten Knochen einer Henne, so wird’s ein Mädchen …

 
Beitragsbild: Gisela Pfohl, aus ‘Geister, Trolle, Totenköpfe’, Verlag Iris Förster

Zwölf wilde Nächte Vol. 8

Pfeffertag

Am 28. Dezember, dem ersten Arbeitstag nach den drei Weihnachtstagen, kehrte für die Erwachsenen wieder der normale Alltag zurück. Es begannen die traditionellen Nachweihnachtsbräuche. Die Kinder zogen abends singend durch die Straßen und gingen von Haus zu Haus. Sie schlugen (‚pfefferten‘) mit einem Zweiglein, der sogenannten ‚Pfefferrute‘ oder ‚Beerlesgert‘ gegen die Fenster. Das sollte dem Haus und den Bewohnern Glück bringen. Dazu sagten sie einen Bettelvers auf. Als Belohnung bekamen sie eine Scheibe Hutzelbrot, ein Springerle, etwas Lebkuchen oder auch Apfel- und Birnenschnitz. Deswegen hieß der Tag auch ‚Pfeffertag‘ oder ‚Kindleinstag‘. Bis ins Mittelalter hielt sich mancherorts der klösterliche Brauch, dass am 28. Dezember, dem ‚Tag der unschuldigen Kinder‘, der jüngste Klosterschüler auf dem ehrenvollen Stuhl des Abtes Platz nehmen durfte.

Pfeffer, Nuss und Küchle raus,
oder I lass den Marder ins Hühnerhaus
(Spaichingen)

Deutlich derber ist da der Brauch, dass ledige Burschen bei Mädchen auf deren Allerwertesten oder vielleicht auch auf ein anderes Körperteil einen Klaps gaben, also ihnen ‚eine pfefferten‘. Böse waren ihnen die Jungfern darob nicht, im Gegenzug gab’s Speck oder auch einen Schnaps.

Habens die unschuldigen Kindlein kalt, so weicht der Frost noch nicht so bald.

 

Beitragsbild: Gisela Pfohl, aus ‘Geister, Trolle, Totenköpfe’, Verlag Iris Förster